Soundmag Indiemusic Fanzine (Germany) - July 2005

Glyn Bailey 'Toys From Balsa'
Irgendwie ist Glyn Bailey ein Kuriosum.
Anfang der Neunziger veröffentlichte er unter diversen Bandnamen Independent-Platten in kleiner Stückzahl. Später arbeitete er Vollzeit für ein Parlamentsmitglied der Labour-Partei, um dann vor einigen Jahren desillusioniert der Politik den Rücken zu kehren und als Singer/Songwriter auf seinem eigenen Label seine Platten zu veröffentlichen.

Mit Toys for Balsa liegt nun sein Debütalbum vor, welches in kompletter Eigenregie entstand. Glyn Bailey spielt alle Instrumente selbst und scheint auch den Vertrieb seiner Platte nicht aus der Hand geben zu wollen. Davor ziehe ich alle meine Hüte, die sich bei genauerem Überlegen auf ein grünes Exemplar beschränken.

Qualitativ liegt Toys for Balsa irgendwo zwischen dem Charme der vier Lo-Fi Alben von Babybird und der Küchenromantik eines Studentenwohnheims. Abgesehen davon, dass Glyn Bailey sogar schlechter als Nick Cave singt. Rumpelnd schlackert das Schlagzeug vor sich hin und wird dabei von den absurdesten Arrangements begleitet. Hier mal ein Bläser, dort etwas Pling und Plong, auch mal eine krachende Gitarre, ein Schifferklavier und abstruse Keyboardsprengsel.

Der Mann macht einfach alles falsch, was man falsch machen kann. Doch bitte nicht falsch verstehen. Darin liegt letztendlich auch die Perfektion des Engländers.

Kompromisslos ignoriert er alles Genreübliche und lässt seinen musikalischen Visionen mit einem gehörigen Schuss Idealismus freien Lauf. Mein Fall ist diese Ansammlung verstörender Kombinationen nicht, denke allerdings, dass es genug Menschen gibt, die sich von ihm angesprochen fühlen.

Dem möchte ich nicht im Wege stehen. Meinen Respekt hat er trotzdem.
Rating 6/10

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